Die Vorkommen fossiler Brennstoffe auf unserem Planeten sind endlich.
Steigende Nachfrage in Schwellenländern und der hemmungslose Kon-
sum in den Industriestaaten sorgen neben steuerlichen Begehrlichkeiten
der Politiker für explodierende Energiepreise. Deshalb gerät die Energie-
bilanz von Bestands- und Neubauten zunehmend in den Fokus. Bautiger
hat mit der Architektin und Energieberaterin, Birgit Dreier, gesprochen:


 

Bautiger:  Ressourcenschonung bedeutet, Energie einzusparen. Wie können
Immobilienbesitzer bei Bestandsbauten Energie einsparen?

Birgit Dreier:  Hausbesitzer sollten Gebäudehülle und  Anlagentechnik in der
Gesamtheit  betrachten und dann entscheiden, wo der Einsatz von finanziellen
Mitteln am effektivsten wirkt und somit den meisten Nutzen bringt. Anhand von
Wärmebedarfs- und Amortisationsberechnung kann die Wirtschaftlichkeit einer
Investition zur Energieeinsparung bewertet werden. Diese Informationen wer-
den im Rahmen einer Energieberatung erarbeitet.

Bautiger: Die Maßnahmen belasten das Finanzbudget potenzieller Bauherren.
Sie müssen sich zwischen ökologisch Wünschenswertem und den finanziellen
Möglichkeiten entscheiden. Hilft die Politik, dass die Entscheidung pro ökologi-
sches Gewissen leichter fällt?

Birgit Dreier: Die Politik hat bei der KfW Förderprogramme für Baumaßnahmen
zur Energieeinsparung aufgelegt.  Aus meiner Sicht wäre es wünschenswert,
die Verwendung von Materialien mit sehr guter Ökobilanz intensiver zu fördern. 

Bautiger: Sie sind Energieberaterin. Ist der Energieausweis für Immobilien ein
taugliches Mittel oder eine Bürokratenidee praxisferner Schreibtischtäter?

Birgit Dreier: Ich halte den Energieausweis für einen guten Ansatz. Die Politik
hat den Zuschuss aktuell um 100 € erhöht. Ein Besitzer denkt auf jeden Fall
über sein Gebäude nach und erhält einen Anreiz, etwas zu tun. Allerdings kön-
nten die Verantwortlichen  dieses Instrument noch offensiver bekannt machen.
Mieter oder Käufer verlangen den Energieausweis nur in den seltensten Fällen.

Bautiger: Wie fließt die Energieeffizienz in die Planung von Wohnraum und ge-
werblichen oder öffentlichen Bauten ein?

Birgit Dreier: Es gehört zur Philosophie unseres Büros, nur Effizienz- oder
Passivhäuser zu planen und bauen. Da ergibt sich die Energieeffizienz so-
zusagen von selbst. Auch bei öffentlichen und Gewerbebauten gewinnt dieses
Kriterium an Bedeutung, weil es entsprechende Fördertöpfe gibt und weil Bau-
herren oder Unternehmer aufgrund stetig steigender Energiekosten hier mittler-
weile ein Potenzial für langfristige Kosteneinsparung sehen. Wir arbeiten der-
zeit sogar an einer Wohnanlage als EnergiePlusGebäude.

Bautiger: Welche Vorteile bietet der Holzbau?

Birgit Dreier:  Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten mit Holz zu bauen, z. B.
Holzständerbau oder Vollholzbauweise mit entsprechenden Dämmstoffen. Für
den Holzbau sprechen die kurzen Bauzeiten, die Bauart, die ohne Einsatz von
Feuchtigkeit auskommt, wie sie Putz und Estrich eintragen und das sehr an-
genehme Raumklima. Holz ist der Baustoff mit der besten Ökobilanz, schad-
stofffrei und gesundheitlich unbedenklich.  Er sorgt für einen hohen Wohlfühl-
faktor, deshalb ist er auch bestens geeignet zum Einsatz in Kindergärten,
Schulen und Pflegeeinrichtungen.

Bautiger: Limitiert Sie der Werkstoff Holz in der planerischen Freiheit oder kön-
nen Sie all Ihre Ideen ohne Schwierigkeiten umsetzen?

Birgit Dreier: Ich fühle mich in keiner Weise eingeschränkt. Im Holzbau ist so-
vieles möglich. Wir haben z. B. schon runde Wände realisiert oder einen spiral-
förmigen Grundriss mit einer aufgefächerten Holzbalkendecke. Manchmal ent-
wickeln sich auch kreative Lösungen für  ungewöhnliche Ideen, beispielsweise
wurde das dreidimensional gewölbte Dach einer Kapelle als Flechtwerk aus-
geführt, das ein Besucher mit dem Binsenkörbchen des Moses verglich. Sie
sehen, es gibt hier sehr viel gestalterischen  Spielraum. 

Bautiger: Wie aufgeschlossen sind Bauherren im gewerblichen Bereich gegen-
über dem Baustoff Holz?

Birgit Dreier: Es entstehen mehr und mehr Gewerbebauten in Holzbauweise.
Sie entsprechen meist schon dem Passivhausstandard. In den letzten Jahren
wurden Lösungen zu den Themen Brand- und den Schallschutz erarbeitet, die
wirtschaftlich interessante Möglichkeiten bieten. Die kurzen Bauzeiten und der
schnelle Bezug sind weitere Argumente und nicht zuletzt fühlen sich die Ange-
stellten in solchen Gebäuden mit hohem Behaglichkeitsfaktor sehr wohl.

Bautiger: Welche Bedeutung hat heute der Garten bei der Planung?

Birgit Dreier: Ich sehe den Garten als Erweiterung des Wohnraumes. Deshalb
achte ich bereits bei der Gebäudeplanung auf Sichtachsen und die Platzierung
der Fenster. Der Garten gehört unabdingbar zu einem guten Planungskonzept.
Im Sommer wird der Garten zu einem weiteren Aufenthaltsraum und muss die
entsprechenden Qualitäten aufweisen, Rückzugsmöglichkeiten und Räume zur
Begegnung bieten. Gleiches gilt natürlich auch für Gewerbebauten oder öffent-
liche Gebäude.

Bautiger: Was verstehen Sie unter einer geomantischen Untersuchung?

Birgit Dreier: Geomantie ist für mich das westliche Pendant zur östlichen Feng
Shui-Lehre. Die besonderen Qualitäten des Grundstückes und seine energe-
tische Struktur werden aufgenommen und bei der weiteren Planung berück-
sichtigt.

Bautiger: Welche Gewerke sind heutzutage involviert, um die Quellen von
Elektrosmog zu beseitigen?

Birgit Dreier: Das Thema halte ich für sehr komplex. Das kann heutzutage
beim Energieversorger, der Baugebiete mit einer Ringleitung erschließt und
somit unbeabsichtigt Magnetfelder entstehen lässt, beginnen und erstreckt sich
über Trockenbauer, Maler, Raumausstatter bis zum Elektriker. Man darf sein
Augenmerk nicht allein darauf richten, die Strahlung nicht in das Haus zu las-
sen, sondern muss vor allem die Strahlung im Haus reduzieren.

Bautiger: Wie fielen und fallen die Reaktionen auf Ihre Bautiger-Broschüre aus?

Birgit Dreier: Ich habe bisher eine äußerst positive Resonanz erhalten. Die
Besitzer der vorgestellten Objekte waren sehr erfreut, in der Broschüre meines
Büros platziert zu sein. Den teilnehmenden  Handwerkern gefällt die Broschüre
und auch bei potenziellen Bauherren kommt sie sehr gut an.

www.architektin-dreier.de

 

 

Birgit Dreier,
Architektin und Energieberaterin